5 Fakten über Zahnbehandlungen

5 Fakten über Zahnbehandlungen, die selbst erfahrene Pferdehalter überraschen

Die Basics kennst du: regelmäßige Kontrollen, scharfe Kanten, Haken und ein wachsames Auge auf Fressverhalten und Gewicht. Spannend wird es dort, wo moderne Pferdezahnheilkunde auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt. Genau darum geht es heute.

1. Beim Raspeln zählen nicht nur Millimeter, sondern auch Sekunden

Motorisierte Instrumente arbeiten präzise und effizient. Gerade deshalb werden sie nicht lange auf derselben Stelle eingesetzt. In einer In-vitro-Studie an 188 Oberkieferbackenzähnen stieg bei längerer kontinuierlicher Bearbeitung die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass die Pulpa eine kritische Temperatur erreicht. Wasserkühlung wirkte schützend.

Das ist kein Argument gegen maschinelle Zahnkorrekturen. Es zeigt vielmehr, warum kontrollierter Druck, kurze Kontaktzeiten, passende Drehzahl und Kühlung zur fachgerechten Anwendung gehören. Professionelles Raspeln bedeutet nicht, möglichst viel möglichst schnell abzutragen.

Quelle [1]

2. Manchmal wird eine Zahnlücke absichtlich größer gemacht

Das klingt zunächst unlogisch. Bei einem engen Diastema kann sich Futter jedoch so fest zwischen zwei Backenzähnen einklemmen, dass eine schmerzhafte Entzündung des Zahnhalteapparates entsteht. Durch ein gezieltes Erweitern kann aus der engen ‚Futterfalle‘ ein offenerer, besser selbstreinigender Zwischenraum werden.

In einer Langzeitstudie an 202 Pferden mit schwerer Periodontitis verschwanden die klinischen Symptome bei 72,6 % vollständig. Allerdings waren teils wiederholte Behandlungen nötig; das Verfahren ist invasiv und gehört in erfahrene Hände.

Quelle [2]

3. Jährliche Zahnkontrolle? Ja. Jährliches Raspeln? Nicht unbedingt!

Die American Association of Equine Practitioners (AAEP) empfiehlt mindestens eine gründliche Zahnuntersuchung pro Jahr. Aber: Untersuchung ist nicht automatisch Behandlung. Ob geraspelt oder eine andere Maßnahme notwendig ist, entscheidet erst der individuelle Befund.

Für manche Pferde sind zwölf Monate sogar zu lang. Bei älteren Pferden – besonders wenn bereits Zahnprobleme bekannt sind – können halbjährliche Kontrollen sinnvoll sein. Der wichtige Unterschied lautet also: regelmäßig kontrollieren, gezielt behandeln.

Quelle [3]

4. Bei EOTRH kann ein Pferd nach der Entfernung aller Schneidezähne besser fressen

Für viele Pferdehalter ist die Vorstellung zunächst erschreckend. Bei fortgeschrittener EOTRH können die erkrankten Schneidezähne jedoch dauerhaft schmerzhaft, locker, entzündet oder frakturgefährdet sein. Dann kann ihre Entfernung die eigentliche Entlastung sein.

In einer Befragung zu 48 Pferden nach vollständiger Schneidezahnextraktion verbesserten sich unter anderem Körperzustand, Fressgeschwindigkeit, Heuverlust aus dem Maul, Verhalten, Abwehr beim Auftrensen und Kopfschlagen signifikant. Mehr als 90 % der Halter würden sich bei einem anderen betroffenen Pferd wieder für den Eingriff entscheiden. Wichtig: Das waren rückblickende Halterangaben, keine kontrollierte Therapiestudie.

Quelle [4]

5. Raspeln ist kein pauschaler ‚Verdauungsturbo‘

Der Satz ‚Nach dem Raspeln verwertet jedes Pferd sein Futter besser‘ klingt plausibel, ist wissenschaftlich aber zu pauschal. In einer randomisierten Studie an 56 gesunden tragenden Stuten zeigten sich zwischen geraspelten und unbehandelten Pferden keine signifikanten Unterschiede bei Gewicht, Body Condition Score, Futterverdaulichkeit oder Kotpartikelgröße. Eine kleinere Studie an acht Pferden mit nur leichten Haken und Kanten fand ebenfalls keinen messbaren Verdauungsvorteil.

Das macht regelmäßige Untersuchungen nicht weniger wichtig. Im Gegenteil: Es trennt die sorgfältige Diagnostik von einer automatischen Standardkorrektur. Behandelt wird der individuelle Befund – mit dem Ziel, Schmerzen zu vermeiden, Erkrankungen früh zu erkennen und die Kaufunktion langfristig zu erhalten.

Quellen [5] und [6]

Mein Fazit: Gute Zahnmedizin ist so individuell wie das Pferd.

Entscheidend ist nicht, ob ‚etwas gemacht‘ wurde, sondern ob Untersuchung, Diagnose und Behandlung zum konkreten Befund passen.

Du hast Fragen zur Zahngesundheit deines Pferdes?

Dann melde dich gern telefonisch, per E-Mail oder WhatsApp – oder sprich mich beim nächsten Besuch direkt an. Gemeinsam schauen wir, was für dein Pferd sinnvoll ist.

Herzliche Grüße

Lisa Knierim
Fachtierärztin für Pferde


Equines Asthma Vortrag

Vortragsabend: Equines Asthma und andere Atemwegserkrankungen

Fachvortrag für Pferdehalter:innen und -interessierte

Do, 07. Mai 2026, 19:00 Uhr

Reit- und Fahrverein Oberneuland e.V., Oberneulander Landstraße 145C, 28355 Bremen, im Vereinscasino

„Liebe Pferdehalterinnen und Pferdehalter, In meiner Fachtierarztpraxis für Pferde begegnen mir Atemwegspatienten häufig. Deshalb möchte ich Ihnen an diesem Abend einen Überblick zu typischen Atemwegserkrankungen beim Pferd verschaffen und aktuelle Erkenntnisse zu Therapien erläutern.

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Lisa Knierim

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Kosten: 20€ p.P.

Begrenzt auf: 25 Plätze, Anmeldeschluss 30.04. bzw. bei Erreichen der max. Teilnehmerzahl


West Nil Virus - Update kompakt

West Nil Virus - Update kompakt

Liebe Pferdehalterinnen und Pferdehalter,

Ich möchte Euch heute ein kurzes Update zum Thema West Nil Virus zukommen lassen. Ausführliche aktuelle Informationen findet Ihr beim Friedrich-Loeffler-Institut (FLI): zum Artikel

Das Wichtigste zusammengefasst:

– 2025 geringe Fallzahlen nach einer hohen Fallzahl in 2024. Kaltes, trockenes Frühjahr sowie hohe Anzahl geimpfter Pferde voraussichtlich ursächlich hierfür.

– Bei günstigen klimatischen Bedingungen mit z.B. feuchtwarmen Frühjahr und langem heißen Sommer sprunghafter Anstieg der Fallzahlen in 2026 wahrscheinlich.

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) empfiehlt die Impfung gegen das West-Nil-Virus – insbesondere in betroffenen Regionen sowie bei Pferden mit Reiseaktivität.

Damit Euer Pferd rechtzeitig vor der Mückensaison geschützt ist, sollte die Impfung frühzeitig im Spätwinter/Frühjahr, also ab jetzt, durchgeführt werden (Grundimmunisierung bzw. jährliche Auffrischung).

➡️ Meldet Euch gern zur Terminvereinbarung oder bei Fragen zum individuellen Risiko Eures Pferdes.

Sammeltermine im Stall sind möglich und sinnvoll – durch gemeinsame Terminplanung lassen sich Anfahrtskosten reduzieren.

Sprecht Euch dazu gern mit Stallkolleginnen und -kollegen ab.

Herzliche Grüße,

Lisa Knierim

Fachtierärztin für Pferde